Die schönste Seereise der Welt

Hier kommt mein ganz persönlicher Reisetraum! Seit ich ein kleines Kind bin, träume ich schon von einer Hurtigruten Tour. Warum – das weiß ich auch nicht. Aber einmal mit einem Postschiff durch die engen Fjorde zu fahren, reizte mich seit jeher mehr, als eine Reise in die Sonne. Mit Anfang 30 war es dann endlich soweit. Leinen los in Tromsö – dem Tor zur Arktis!

Hurtigruten_Beitragsbild

Ich bin bereits am Vorabend in die nordnorwegische Stadt geflogen und radele bei erstaunlichen 20 Grad mit dem Hotel-Fahrrad durch die Stadt. Selbst für Mitte Juni ist die Wärme ungewöhnlich in diesen Breitengraden. Gemütlich überquere ich die Brücke von der Altstadt hinüber zur berühmten Eismeerkathedrale und mache noch einen Abstecher zur Talstation der Seilbahn Fjellheisen, die auf den Hausberg Storsteinen hinauffährt. Von hier genieße ich im T-Shirt einen herrlichen Ausblick hinüber auf den Hafen, in den gleich die MS Trollfjord einlaufen wird. Das Postschiff bringt mich zum Nordkap!

Hurtigruten_Ausblick_Tromsoe

Nach einem kleinen Snack in der Fußgängerzone radele ich zurück zum Hafen, gebe mein Fahrrad im Hotel ab und sehe in der Ferne schon die schwarz-rot-weiße MS Trollfjord ankommen. Aufgeregt rolle ich meinen Koffer an den Kai und warte mit einigen anderen Reisenden auf meine schwimmende Bleibe.

Hurtigruten_Einschiffung

Das Schiff bleibt noch bis zum Abend im Hafen und ich nehme gleich am ersten Landausflug teil. Mit dem Bulli fahren wir aus der Stadt heraus und paddeln in bequemen Zweier-Kajaks den Lyngenfjordfjord entlang. Die hohen Berge der nordnorwegischen Küste bilden eine wunderschöne Kulisse und entspannt atme ich die frische, sauerstoffreiche Luft ein.

Hurtigruten_Kanu

Am Abend beziehe ich endlich meine kleine Kabine mit Meerblick und bin glücklich. Die Zimmer sind einfach eingerichtet, aber ich möchte ja den Ausblick auf die Fjorde genießen und keinen Wellness-Urlaub machen. Die MS Trollfjord legt ab und macht sich auf den Weg gen Norden.

Am späten Abend legen wir eine Viertelstunde in Skjervøy zum Be- und Entladen an. Am Hafen des kleinen Fischerdorfs wird es für wenige Minuten hektisch und kleine Gabelstapler bringen Pakete herbei und laden Post und sogar ein kleines Motorrad aus. Aufgeregt nimmt ein junger Norweger mit seinem Vater sein neues Gefährt in Empfang, während die MS Trollfjord die Leinen löst und weiter gen Norden fährt.

Hurtigruten_An_Deck

Die Stopps in Øksfjord um zwei Uhr nachts und in Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt, um kurz nach fünf verschlafe ich leider. Aber nach dem Frühstück stehe ich wieder neugierig an Deck und beobachte, wie das moderne Postschiff in Havøysund festmacht. Bunte Holzhäuser liegen auf der großen Insel verstreut, einige Gäste gehen von Bord, die MS Trollfjord liegt ganze 30 Minuten am Anleger.

Hurtigruten_Schiff_im_Hintergrund

Gegen Mittag kommen wir in Honningsvåg an, dem Tor zum Nordkap! Die kleine Stadt ist einer der größten Fischerorte in Nordnorwegen und zählt mit mehr als 100 Kreuzfahrtschiffen jährlich zu den fünf meist angelaufenen Häfen in Norwegen. Von hier geht es mit dem Bus zum 44 Kilometer entfernten Nordkap-Plateau, einem 307 Meter hoch aus dem Nordmeer aufragenden Schieferfelsen.

Hurtigruten_Same

Hier und da zieht eine Schar Rentiere über die karge Tundrasteppe, denn im Frühjahr bringen die Samen aus Karaskoj nahe der Grenze zu Finnland ihre vom Winter geschwächten Rentiere mit Lastwagen und Marine-Booten auf die Nordkap-Insel Magerøya, im Herbst schwimmen die Tiere die knapp zwei Kilometer zum Festland zurück. In der zweieinhalb Monate dauernden Zeit der Mitternachtssonne zwischen Mitte Mai und Ende Juli erwacht die Region zum Leben: Im kurzen Polarsommer sprießen auf der unter Naturschutz stehenden Insel über 400 verschiedene Pflanzen. Winzige, rosarote Röschen drängen sich am Boden, die Rentiere knabbern kiloweise von der weißlichen Rentierflechte. Die Menschen der Region leben vom Fischfang und profitieren vom warmen Golfstrom: Im Sommer kommt der Lachs, im Herbst werden Königskrabben gefangen und im Winter gibt es Kabeljau, der dann einige Monate auf großen Holzgestellen getrocknet und als Stockfisch verkauft wird.

Hurtigruten_Rentier

Kurz vor dem Nordkap stehen einzelne Holzzäune oberhalb der Straße. „Hier springen die Rentiere so lange über die Latten, bis sie fliegen können“, schmunzelt unsere Schweizer Reiseleiterin Esther Amman. „Schließlich müssen sie zu Weihnachten den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen können.“ Die gut 3000 Einwohner der Insel Magerøya haben ihren eigenen Humor. Und bei schlechter Stimmung ist Stockfisch das Hausmittel der Wahl: Mit dem Hammer wird der knochentrockene Fisch schwungvoll in kleine Stücke geschlagen und mit Brot und Weißwein verspeist. „Die Laune bessert sich natürlich nicht durch den Weißwein“, betont die blonde Reiseleiterin. „Denn Alkohol gibt es im Winter erst nach Sonnenuntergang“. Wie passend, dass im Polarwinter die Sonne gleich zweieinhalb Monate gar nicht über den Horizont blickt. Esther Amman hat sich eben schon eingelebt.

Am Ende der nördlichsten Straße der Welt mit Anschluss an ein internationales Straßennetz wartet das Nordkap, der nördlichste über offizielle Wege erreichbare Punkt Europas am Rande des Eismeeres. Die Europastraße 69 führt direkt auf das 307 Meter hohe Plateau zur Nordkaphalle mit Postamt und Kapelle. Jetzt trennen nur noch die Wellen der Barentsee die Reisenden vom 2090 km entfernten Nordpol. Seit 1978 symbolisiert eine Weltkugel auf den Klippen das Ende der Welt und wie alle anderen lasse auch ich ein Beweisfoto von mir am Nordkap machen.

Hurtigruten_Nordkap

Oft windumtost zeigt sich die Steilklippe an diesem sonnigen Tag von ihrer besten Seite: Kleine Schönwetterwölkchen lassen den blauen Eismeerhimmel leuchten, erstes Grün klammert sich am Steilfelsen fest. Ich kaufe natürlich Postkarten mit Nordkap-Stempel und werfe sie in den roten Briefkasten am Ausgang der Nordkaphalle. Schon geht es zurück zum Hafen von Honningsvåg.

Die MS Trollfjord ist schon zum Ablegen bereit, das Horn ertönt und das Schiff nimmt Kurs auf den Wendepunkt der Hurtigruten in Kirkenes nahe der russischen Grenze. Ich schlüpfe in meinen Badeanzug und springe oben auf Deck neun bei frischem Fahrtwind in den Whirlpool. Im heiß sprudelnden Wasser sitzend genieße ich ein letzte Mal die vorbeiziehende arktische Landschaft denn morgen legen wir in Kirkenes an und auf mich wartet der Flieger zurück nach Deutschland.

Weiterführende Informationen gibt es unter www.hurtigruten.de

Übrigens: Katharina von Reiseworld hat tolle Tipps für Kreuzfahrten in den hohen Norden zusammengestellt. Schaut mal hier: Tipps für die Nordlandkreuzfahrt.

 

Hinweis: Diese Reise wurde unterstützt von der Hurtigruten GmbH. Der Bericht stellt ausschließlich unsere eigene Meinung dar.

 

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