Schneeschuhwanderung unter Palmen

Über Nacht hat es endlich geschneit. Die dicke, weiße Zuckerschicht lässt die Landschaft an diesem Morgen wieder frisch und ausgeschlafen aussehen. Tannenzweige biegen sich unter der kühlen Last, Spuren von Hasen und Rehen ziehen sich durch den Wald. Noch immer fallen dicke Flocken vom hellgrauen Himmel und ein paar Wolkenfetzen halten sich eisern an den Tannenspitzen fest. Perfekte Bedingungen für eine zünftige Schneeschuh-Wanderung rund um den Südtiroler Ort Schenna.

Am Vormittag schwebe ich mit der im Winter nur selten verkehrenden Seilbahn vom Ortsteil Verdins nach Tall hinauf und werde von Hüttenwirt Helmuth Gufler schon mit einem Paar Schneeschuhen empfangen. Bevor wir uns auf den Weg machen, kehren wir kurz in die Jausenstation Haashof in Videgg ein. Aus dem Schornstein steigt weißer Rauch auf, frischer Speck hängt seit gestern in der Räucherkammer.

Schenna_Schlutzkrapfen

Fröhlich serviert Chefin Elisabeth hausgemachte Schlutzkrapfen, eine regionale Nudelspezialität, die wie Ravioli aussehen.

Gestärkt stapfen wir mit Schneeschuhen den ersten Anstieg hinauf. Während Hüttenwirt Helmuth locker voran marschiert und immer wieder Stöckchen für seinen eifrigen Bernasenn-Hund wirft, habe ich als Flachländerin mit den Höhenmetern zu kämpfen. Von Videgg geht es hinauf zu Helmuths Hütte, der Gompm Alm.

Schenna_Gompm_Alm

Durch den Tiefschnee der Wiesen, über kleine Bachläufe und an gefrorenen Wasserfällen vorbei führt der Pfad etwa zwei Stunden lang bergauf. Wir begegnen keiner Menschenseele, die Landschaft ist einsam.

Schenna_Schneeschuhwanderung

Dann endlich taucht hinter dem dichten Schneevorhang die große Almhütte auf. Beim Eintreten strömt mir eine wohlige Wärme entgegen, ein Holzofen heizt die Gaststube kräftig ein. Drinnen ist jeder Platz besetzt. Wanderer mit roten Nasen sitzen vor Topfenknödeln und Kaiserschmarrn. Es ist gemütlich, und wenn alle zusammen rutschen, passt immer noch ein neuer Gast dazwischen.

Schenna_Pfanne

Helmuths Frau Doris serviert moderne Hüttenküche und empfiehlt zum Aufwärmen heißen Veneziano. Für die warme, südtiroler Variante des Aperol Spritz mixt sie frisch gepressten Orangensaft mit Weißwein, Aperol und Quellwasser. Herzhafte Tiroler Küche mit der Inspiration des Küchenchefs wird in der Gomp’m Alm serviert. Seit gut 20 Jahren lebt Helmuth auf der Hütte, erst seit wenigen Jahren hat er Strom. Vorher wurde nur mit Holz geheizt, wenige Stunden am Tag lief der Generator, erzählt mir der gelernte Steinmetz.

Schenna_Schlittenabfahrt

Mit Bretzenknödeln und Apfelstrudel im Magen geht es mit dem Schlitten rasant wieder bergab. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen, die kurvenreiche Naturrodelbahn glänzt in der Wintersonne. Am Ende der Rodelstrecke bringt mich die Seilbahn hinab in eine andere Welt. Leuchtend grüne Zypressen verteilen sich in den Weinbergen, an den Bäumen der großen Obstplantagen hängen vereinzelt noch gelbe Äpfel. Weingüter thronen auf den kleinen Hügeln rund um den Südtiroler Ort Schenna. In der kleinen Stadt nahe Meran drängen sich mediterran anmutende Bauwerke zusammen.

Schenna_Mediteran

Palmen stehen in den Gärten und am Straßenrand. Nur noch im Hintergrund leuchten jetzt die weißen Bergkuppen. „Hier im Ort bleibt der Schnee selten liegen“, erzählt mir Heidi Kaserer vom Tourismusbüro in Schenna. „Aber dieser landschaftliche Mix aus alpin und mediterran fasziniert die Gäste“. So geht es am Vormittag entlang von Palmen durch Weinberge und Apfelplantagen, am Nachmittag schweben die Urlauber mit der neuen Bergbahn ins nächste Skigebiet. Ich spaziere noch zum nächsten Weinberg und genieße den Ausblick. Die Sonne versinkt langsam hinter den Bergen und taucht den Schnee in ein orangefarbenes Licht. Die ersten Flocken fallen vom Himmel. Auch diese Nacht wird wieder reichlich Neuschnee die Berge oberhalb der Palmen bezuckern.

Weiterführende Informationen:
Tourismusbüro Schenna www.schenna.com
 
Hüttentipp:
Gompm Alm www.gompmalm.it
 
 
Hinweis: Diese Reise wurde unterstützt vom Tourismusbüro Schenna. Der Bericht stellt ausschließlich unsere eigene Meinung dar.
 
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