Olivenöl trifft Wein – Eine Genussreise durch Istrien

Fangfrischer Fisch, ausgezeichnetes Olivenöl und moderne Weine – Istrien ist bei Genießern schon längst kein Geheimtipp mehr. Wir haben ein paar Tage in Novigrad verbracht und die Region erkundet.

Am ersten Tag stand eine Einführung in das istrische Olivenöl auf dem Programm. Dazu sind wir in den winzigen Ort Vodnjan gefahren und haben den kleinen Shop von „Brist Oil“ besucht. Paul O’Grady begrüßt uns und schenkt schwungvoll das Santa Margeritha in kleine Plastikbecher. „Wisst ihr, wie man Olivenöl richtig verkostet“, fragt uns der gebürtige Ire. Wir schütteln den Kopf. Paul nimmt den kleinen Plastikbecher in die rechte Hand, bedeckt ihn mit der Linken und schwenkt das Öl vorsichtig hin und her. „Man wärmt das Olivenöl leicht an, so dass es sein ganzes Aroma entfalten kann“, erklärt der Wahl-Kroate.

Istrien Olivenöl VerkostungWir befolgen den Rat und bringen die gold-grüne Flüssigkeit auf Temperatur. Dann geht es weiter wie bei einer Weinprobe. Erst riechen, dann einen Schluck nehmen, kurz im Mund lassen und genießen. Ich stelle den leeren Becher ab und muss husten. „Ein wenig Schärfe zum Abgang gehört bei fehlerfreien Ölen mit der Bezeichnung Extra Vergine dazu“, erklärt Paul. Das sind die Polyphenole, die das Öl vor dem Ranzigwerden und uns vor ungesunden, freien Radikalen schützen. „Viele kennen diesen Geschmack nicht, denn das extra-native Olivenöl ist eines der in Europa am häufigsten gefälschten Lebensmittel.“ Das liegt an teils unklaren EU-Regeln und einem kompliziertes Kontrollsystem.

Ausgezeichnete Olivenöle

In Istrien setzt man bei Olivenöl auf Qualität. Noch vor zwanzig Jahren wurzelten hier weniger als hunderttausend Ölbäume, heute prägen eineinhalb Millionen das Landschaftsbild. Außerdem werden alte Terrassenplantagen und traditionelle Olivensorten rekultiviert. Dank modernster Technik nutzen Istriens Olivenölproduzenten ihre Boden- und Klimavorteile und bieten beste Qualität.

Istrien Olivenbäume Olivenöl

Schon zu Zeiten der Römer galt das Olivenöl der kroatischen Adria-Halbinsel als das Beste der Welt, heute hat die Region diesen Ruf wieder erlangt. Bereits zum vierten Mal in Folge wurde Istrien von der italienischen Olivenöl-Bibel „Flos Olei“ zur besten Olivenölregion gekürt.

Über die Olivenölstraße durch Istrien

Gute Öle findet man direkt bei den Erzeugern, aber auch in Supermärkten und Restaurants. Als wir am ersten Abend in der urigen Konoba Cok in Novigrad essen, beträufelt Chefkoch Sergio Jugovac den fangfrischen Fisch mit ein wenig goldenem Olivenöl vom Weingut Clai.

Istrien Konoba Cok Novigrad frischer Fisch

Wir sind so begeistert von dem Öl, dass wir uns gleich am nächsten Morgen auf den Weg nach Krasica machen. Hier bewirtschaftet die Familie Clai nach alter Tradition acht Hektar Wein mit vorwiegend lokalen Rebsorten und drei Hektar mit Olivenbäumen. In dem modernen Gebäude werden Weine und Öle mit Blick über die Hügellandschaft Istriens verkostet.

Istriens Weinstraße und Olivenstraße

Dann geht es weiter über die ausgeschilderte „Straße des Olivenöls“ ins mittelalterlich anmutende Bergstädtchen Buje. Einen guten Ausblick eröffnet der historische Wehrturm, den man gegen eine kleine Spende besteigen darf. Ist die Aussicht nicht fantastisch?

Istrien Buje

Weine aus der Amphore

Die Region um Buje ist ein Eldorado für Weinliebhaber. Schon der kaiserliche Hof in Wien soll Kutschen mit leeren Weinflaschen gesandt haben, die mit Muskateller befüllt auf die Rückreise geschickt wurden. Heute haben sich gut zwei Dutzend Winzer rund um Buje angesiedelt, dazu zählt auch das Spitzenweingut Kabola.

Istrien Weingut Kabola Wein Amphore

Bereits 1891 begann die Familie Markežić mit dem Anbau von Muskat-Trauben, heute ist das Weingut international für Orange Weine bekannt. „Wir waren die ersten in Kroatien, die Weine in Tonamphoren ausbauten“, erklärt Kristina Županić und schenkt uns den bernsteinfarbenen Malvazija Amphora ein. „Wir geben dem Malvazija in unseren acht Tonamphoren einen ganz neuen Geschmack und lassen sogar den roten Teran einige Monate in der Amphore reifen.“

Istrien Weingut Kabola

Wie auf vielen istrischen Weingütern gedeihen auch bei Kabola zahlreiche Olivenbäume und zum Abschluss der Weinprobe serviert Kristina Županić uns zwei kleine Plastikbecher mit gold-grünem Öl. „Es wird aus der alten, einheimischen Sorte Istarska Bjelica gewonnen und mit Leccino und Pendolino gemischt“, erklärt die junge Frau. Wir kennen uns ja jetzt schon mit Olivenölproben aus, schwenken gekonnt unsere Becher und verkosten die leicht grasig duftende Spezialität. Sogar an die leichte Schärfe im Abgang habe ich mich inzwischen schon gewöhnt.

 

Weitere Informationen gibt es beim Tourismusverband Istrien.

Praktische Reiseführer für unterwegs:

© Baedeker

 

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Hinweis: Der Aufenthalt wurde vom Tourismusverband Istrien unterstützt. Der Bericht stellt ausschließlich unsere eigene Meinung dar.

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