Auf der Berounka gleiten Kanuten drei Tage lang durch dichte Wälder, vorbei an Burgen, Kalkfelsen und kleinen Flussdörfern. Die ruhige Strömung macht die Tour westlich von Prag auch für Einsteiger zu einem entspannten Naturerlebnis.
Die Morgensonne spiegelt sich auf dem ruhigen Wasser der Berounka, während am sandigen Ufer von Křivoklát die ersten Kanus ins Wasser gleiten. Unterhalb eines mächtigen Eisenbahnviadukts werden Boote verteilt, Paddel und Schwimmwesten liegen bereit. Einer der Guides zieht einen blauen Zweier-Kanadier hervor, verstaut ein großes weißes Gepäckfass im Boot und zeigt noch einmal auf die Karte. „Hier seht ihr die Wehre auf eurer Strecke“, erklärt er uns in einem Mix aus Deutsch und Englisch. „Die blauen Linien zeigen an, auf welcher Seite ihr das Boot am besten umtragen könnt.“

Wenige Minuten später schieben wir den Kanadier in den Fluss, steigen vorsichtig ein und tauchen unsere Stechpaddel ins seichte Wasser. Die ersten Meter geht es noch über Steine, dann nimmt die sanfte Strömung unser Boot mit. Zwischen dichten Wäldern und schroffen Felsen beginnt eine der schönsten Kanutouren Tschechiens.
Entspannte Paddeltour für Einsteiger
Die Berounka schlängelt sich westlich von Prag durch das geschützte Waldgebiet Křivoklátsko, das als UNESCO-Biosphärenreservat ausgezeichnet wurde. Auf rund 45 Kilometern führt unsere dreitägige Tour von Křivoklát über Nižbor und Beroun bis zur berühmten Burg Karlštejn. „Die Strecke eignet sich hervorragend für Familien und Einsteiger“, hatte uns Tereza Siegertová vom Tourismusverband Mittelböhmen erzählt. „Die Strömung ist ruhig und technisch schwierige Passagen gibt es kaum.“

Die ersten Kilometer der Tour sind besonders entspannt. Sommerhäuser spiegeln sich im Wasser, blaue Federlibellen fliegen paarweise über den Fluss und an den Ufern zeugen angenagte Baumstämme von den nächtlichen Besuchen der Biber. Motorboote gibt es hier keine. Nur hin und wieder rumpelt ein Zug über die Gleise oberhalb des Flusses.
Mittags ziehen wir unseren Kanadier in einer kleinen Bucht am Campingplatz Kemp Riviéra Zbečno an Land. Wenige Schritte entfernt serviert das Restaurant den tschechischen Klassiker Smažený sýr – knusprig panierten Käse mit Pommes und Tatarsauce.

Frisch gestärkt wartet kurz darauf das erste Wehr. Wir ziehen das Boot an Land, tragen es über die Wiese und setzen wenige Minuten später wieder ein. Schnell merken wir: Das Umtragen gehört auf der Berounka genauso selbstverständlich zur Tour wie das Paddeln selbst.

Zwischen Kristallglas und Kalkfelsen über die Berounka
Am Abend erreichen wir Nižbor und statten der traditionsreichen Rückl-Glashütte einen Besuch ab. In der heißen Werkhalle holen Glasbläser glühende Tropfen aus dem Ofen, drehen und formen sie mit geübten Handgriffen, ehe Schleifer und Maler daraus kunstvolle Kristallobjekte entstehen lassen. „Hier in Mittelböhmen hat die Glasproduktion eine lange Tradition“, erklärt Hanka Krejpská während der Führung durch die Rückl-Glashütte. „Wir zeigen unseren Besuchern jeden Arbeitsschritt – von der Glasbläserei bis zur Veredelung. So entsteht Schritt für Schritt böhmisches Kristall.“

Nach der Besichtigung spazieren wir zurück zum Fluss und wenig später gleitet unser Kanadier wieder flussabwärts. Wir müssen einige Wehre umtragen und erreichen schon bald die Stadt Königsstadt Beroun, die an einem alten Handelsweg zwischen Prag und Bayern liegt. Handwerk und Keramik sorgten für Reichtum, bis heute prägen die gut erhaltenen Stadttore das Bild.

Nach einem Mittagessen am Marktplatz paddeln wir weiter und sind von der Landschaft überrascht. Helle Kalkfelsen ragen aus dichten Wäldern, die Berounka windet sich jetzt durch den Böhmischen Karst. Wanderer grüßen von den Wegen oberhalb des Ufers, Rennradfahrer begleiten uns ein Stück und immer wieder öffnen sich kleine Buchten, die zu einer Pause einladen.

Unser heutiges Ziel ist der Ort Srbsko. Am Campingplatz sitzen bereits andere Kanuten an langen Holztischen zusammen. Es wird gelacht, Geschichten vom Tag werden ausgetauscht und natürlich darf auch ein frisch gezapftes tschechisches Bier nicht fehlen. Spätestens jetzt verstehen wir, warum Kanuwandern in Tschechien fast schon Volkssport ist.
Finale unter der Burg Karlštejn
Am dritten Morgen liegt leichter Dunst über dem Fluss und außer uns ist noch niemand auf der Berounka unterwegs. Nach gut einer halben Stunde legen wir am Autokemp Karlštejn an und lassen unser Boot zurück. Es gibt Kaffee und Brötchen, dann spazieren wir zur weltberühmten Burg Karlštejn.

Hoch über der Berounka ließ Kaiser Karl IV. die mächtige Anlage im 14. Jahrhundert errichten, um Kronjuwelen und Reliquien aufzubewahren. Gemeinsam mit zahlreichen Ausflüglern steigen wir hinauf zur Burg und schließen uns einer englischsprachigen Führung an. Prunkvolle Säle und mittelalterliche Gemälde zeugen von der langen Geschichte der Burg, dann genießen wir noch kurz den Ausblick über das Tal, bevor wir zum Fluss zurückwandern.

Zurück an Bord verlaufen die letzten Kilometer noch einmal herrlich ruhig. Ein Fischreiher erhebt sich vom Ufer, Libellen schwirren über das Wasser und unterhalb des Wehrs am Hotel Romantický Mlýn Karlštejn springen silbrig glänzende Fische gegen die Strömung.
Erst kurz vor dem Ziel wird es lebhafter. Kinder planschen am Campingplatz Kemp Ostrov im Wasser, Kanuten ziehen ihre Boote an Land und lassen sie in der Sonne trocknen. Auch wir legen die Paddel beiseite und blicken noch einmal flussaufwärts. Drei Tage lang hat uns die Berounka durch Wälder, Karstlandschaften und historische Orte getragen – ruhig, entschleunigt und mit genau der Gelassenheit, die diese Flusslandschaft so besonders macht.
Infokasten Kanutour Berounka
Strecke: Křivoklát – Nižbor – Beroun – Karlštejn
Länge: ca. 45 Kilometer
Dauer: 3 Tage
Schwierigkeit: Leichte Flusswanderung, ideal für Einsteiger und Familien. Die Berounka hat eine ruhige Strömung, die meisten Wehre lassen sich problemlos umtragen.
Beste Reisezeit: Mai bis September (bei stabilem Wasserstand).
Bootsverleih: Kanadier, Kajaks und Ausrüstung können vor Ort gemietet werden, unter anderem bei Půjčovna lodí A.S.K. in Křivoklát. Buchung unter https://pujcovna-berounka.cz/.
Informationen zur Region:
Tourismusverband Mittelböhmen: Informationen zu Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten in der Region gibt es auch in deutscher Sprache auf: de.visitcentralbohemia.com.
Tschechische Zentrale für Tourismus
visitczechia.com
Ausflugstipps
Rückl-Glashütte in Nižbor
Seit 1903 entsteht in der Rückl-Glashütte oberhalb der Berounka böhmisches Kristall in traditioneller Handarbeit. Bei Führungen erleben Besucher, wie Glasmeister die glühende Masse formen, schleifen und kunstvoll veredeln. https://visitruckl.com/de/
Burg Karlštejn
Hoch über der Berounka thront die Burg Karlštejn, die Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert errichten ließ. Hinter den Mauern wurden einst wertvolle Reliquien und Juwelen aufbewahrt. Heute zählen der Große Turm, die Burgkapelle des Heiligen Kreuzes und der Kaiserpalast zu den Höhepunkten eines Besuchs. https://www.hrad-karlstejn.cz/en
Burg Křivoklát
Die gotische Burg Křivoklát wurde im 13. Jahrhundert von den böhmischen Königen ausgebaut und diente lange als Jagdschloss. Heute beeindrucken die historische Bibliothek, die Kapelle und die mächtigen Mauern, die von der bewegten Geschichte des Ortes erzählen. www.hrad-krivoklat.cz
Tipp: Prag als Verlängerung der Kanutour
Wer nach drei Tagen auf der Berounka noch etwas Zeit hat, kann noch einen Kurztrip nach Prag anhängen. Vom Endpunkt der Kanutour ist die tschechische Hauptstadt in gut einer Stunde mit Bahn oder Auto erreichbar.

Ein ruhiger und zentral gelegener Ausgangspunkt ist das Botel Racek, ein Hotelschiff auf der Moldau. Die Zimmer sind klimatisiert, gleich nebenan befindet sich das Freizeitareal Žluté lázně mit Liegewiesen, Strandbars sowie Kajak- und SUP-Verleih. Nur wenige Meter weiter geht es mit der Straßenbahn ohne Umsteigen in rund zehn Minuten ins historische Zentrum.
Für die Besichtigung der Stadt lohnt sich der Prague Visitor Pass. Er beinhaltet unter anderem den Eintritt zur Prager Burg mit Veitsdom und Goldenem Gässchen, den Altstädter Rathausturm mit seiner berühmten Astronomischen Uhr sowie zahlreiche Museen. Besonders stimmungsvoll ist außerdem eine Bootsfahrt durch das sogenannte „Prager Venedig“, bei der kleine Boote durch den historischen Mühlkanal Čertovka unterhalb der Karlsbrücke fahren.

Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, spaziert über die Karlsbrücke zur Kleinseite, erkundet die verwinkelten Gassen rund um den Altstädter Ring oder genießt den Abend in den Restaurants im beliebten Viertel Vinohrady oder in den Biergärten entlang der Moldau.
Weitere Informationen unter https://prague.eu/de/.